ICH HÄTTE GERN EIN EIS, BITTE. SPRACHLICHE MUSTER IM SCHNITTPUNKT VON SPRACHE, KOMUNIKATION UND KULTUR

Autori

  • Jasmina Mahmutović Univerzitet u Sarajevu, Filozofski fakultet

DOI:

https://doi.org/10.18485/zivjez.2025.45.1.2

Ključne reči:

Routineformeln, Höflichkeit, Bestellformeln, Musterwandel, Kulturwandel

Apstrakt

Der Beitrag fokussiert das sprachliche Muster Ich hätte gern X, das sich ungefähr um die Jahrtausendwende zu einer kollektiv präferierten Bestellformel in Kauf- und Restaurantgesprächen verfestigt hat. Die Allgegenwärtigkeit dieses Musters in Dienstleistungsgesprächen und der Rückzug indikativischer Formulierungen wie Ich bekomme X, Ich kriege X und Ich nehme X verweist auf einen Wandel im Bereich sprachlicher Höflichkeit einerseits und auf einen Wertewandel andererseits. Dieser Wandelprozess wird zum Anlass genommen, den kommunikativen Effekt und die kulturelle Signifikanz des hergebrachten wie des neuen Sprachgebrauchs zu analysieren und zu beschreiben. Um die Genese und Verfestigung des Musters Ich hätte gern X nachzuzeichnen, werden nicht nur einschlägige grammatische Referenzwerke in diachroner Betrachtungsweise konsultiert, sondern auch das Forschungs- und Lehrkorpus Gesprochenes Deutsch (FOLK) abgefragt. Mit einer Kombination quantitativer und qualitativer korpuslinguistischer Methoden wird das Muster systematisch eruiert, beschrieben und interpretiert. Ziel ist es aufzuzeigen, dass Ich hätte gern X auch in anderen direktiven Gesprächstypen zur Realisierung einer Aufforderung vorzufinden ist und dass der Sprachmusterwandel einen Wandel des Deutungsmusters ‚Höflichkeit‘ repräsentiert und konstituiert.  

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2025-12-31

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ICH HÄTTE GERN EIN EIS, BITTE. SPRACHLICHE MUSTER IM SCHNITTPUNKT VON SPRACHE, KOMUNIKATION UND KULTUR. (2025). Živi Jezici, 45(1), 43-68. https://doi.org/10.18485/zivjez.2025.45.1.2